Kaum ein anderes Gemüse verfügt über so eine spannende, abwechslungsreiche und abenteuerliche Geschichte wie die Kartoffel. Von der unterschätzen Feldfrucht, über Teufelswerk, bis hin zum Lebensretter – die Kartoffel musste für einiges in der Vergangenheit herhalten, bevor ihr wahres Potenzial entdeckt wurde. Schauen wir uns die Herkunft der Kartoffel einmal genauer an.
Die Geschichte der Kartoffel
Der weltweite Siegeszug der Kartoffel hat seinen Ursprung in Südamerika.
Die Inkas, die Urbevölkerung der Anden, haben schon ca. 7000 Jahren v. Chr. Kartoffeln angebaut. Für sie galt die „Frucht der Götter“ als Hauptnahrungsmittel, was sie auch heute noch ist. Sie wurde auch als „Papas“ bezeichnet, was so viel heißt wie „Knolle“.
In diesen hohen Gebirgslagen war und ist die Kartoffel das ideale Gemüse. Robust und widerstandsfähig trotzt die tolle Knolle allen überirdischen Wetterlagen und ist somit zu Recht das optimale Grundnahrungsmittel in Südamerika.
Weitere Informationen zur Geschichte der Kartoffel findest Du im Wikipedia-Artikel Kulturgeschichte der Kartoffel.
Wie kam die Kartoffel nach Europa?
Hatte die Kartoffel bislang in Südamerika eine Monopolstellung, ändert sich dies Mitte des 16. Jahrhunderts, als die Superknolle von spanischen Eroberern auf Schiffen nach Europa überführt wird.
Unwissend, wie die Europäer zu der Zeit noch sind, ist ihnen lange Zeit nicht bekannt, was die Kartoffel überhaupt so besonders macht. Folglich wird sie als reine Zierpflanze betrachtet, an deren hübschen Blüten man sich erfreuen kann. Insbesondere der Adel findet hieran großen Gefallen.
Ob angebaut in Gärten oder kunstvoll drapiert in den schwindelerregenden Hochsteckfrisuren der Damenwelt – die Kartoffelpflanze und deren Blüten findet auf unterschiedlichste Art Verwendung in dieser Gesellschaftsschicht.
Die Kirche ist indessen nicht gut auf die Kartoffel zu sprechen: Ihre Früchte wachsen im Dunkeln (unter der Erde) und seien somit Teufelszeug, heißt es. Heute völlig unverständlich, wird die Knolle damals für lange Zeit von der breiten Masse der Bevölkerung verteufelt und verschmäht, nichts ahnend, welches Potenzial sich in ihr verbirgt.
Maßgeblich zu diesem schlechten Ruf trägt ein schwerwiegender Wissensmangel bei: Die Menschen essen nämlich die kleinen Beeren, die oberhalb der Erde an der Kartoffelpflanze wachsen – und diese sind bekanntlich giftig! Somit hat die treue Kartoffel alles andere als einen leichten Stand und wird über einen langen Zeitraum von den Menschen der damaligen Zeit verschmäht.
Wie kam die Kartoffel nach Deutschland?
Die Verbreitung der Kartoffel in Europa ging also nur sehr schleppend voran. Im 18. Jahrhundert ist sie schon in weiten Teilen Süd- und Westeuropas bekannt. Deutschland dagegen hält sich damals mit dem Kartoffelverzehr noch sehr zurück. Den Deutschen fehlt der Mut, sich auf die Knolle mit ihrem schlechten Ruf einzulassen und so sind es die Ärmsten der Armen, die sich aus der Not heraus auf die Feldfrucht einlassen.
Der 7-jährige Krieg (1756 -1763) bringt dann die entscheidende Wende. In seiner Sorge vor einer Hungersnot erkennt Friedrich II. / Friedrich der Große (auch der „Alte Fritz“ genannt) das große Potenzial der Kartoffel.
Friedrich der Große – Kartoffel Trick
Da die Bevölkerung dem Gemüse immer noch sehr skeptisch gegenübersteht, greift der Alte Fritz zu einer kleinen List, um die Menschen von der Kartoffel zu überzeugen und so eine Hungersnot abzuwenden. Er lässt Kartoffelfelder tagsüber von Soldaten streng bewachen und erregt somit die Neugierde der Menschen – was so streng bewacht wird, muss einen ungeheuren Wert haben!
Nachts hingegen lässt er die Felder unbewacht und gibt den Menschen so die Gelegenheit, sich in Diebesmanier über die Feldfrüchte herzumachen. Der Plan vom Alten Fritz geht auf und die Kartoffel und ihr großer Nutzen als Nahrungsmittel verbreitet sich endlich im Land.
Kartoffelbefehl
1756 machte er den Kartoffelanbau in der preußischen Provinz zur Pflicht. In den Geschichtsbüchern ist diese Handlung als „Kartoffelbefehl“ niedergeschrieben worden. Das ist der ultimative Durchbruch für die Superknolle.
Das optimale Nahrungsmittel
Die einfachen Anbaumethoden, die Robustheit der Pflanze und nicht zuletzt der hohe Gehalt an Kalium, Magnesium und Vitamin C machen aus dieser Feldfrucht das optimale Nahrungsmittel. Fortan hat sie einen ungeheuren Stellenwert insbesondere in Zeiten der Nahrungsknappheit und dieses einst so exotisch anmutende, verschmähte und verteufelte Gemüse ist nicht mehr aus den Küchen wegzudenken.
Inzwischen gehört die Kartoffel zu den wichtigsten Nahrungsmitteln und bereichert die Speisepläne weltweit. Auf den ganzen Globus verteilt gibt es mittlerweile rund 5000 verschiedene Kartoffelsorten, 150 davon sind allein in Deutschland vertreten. Die tolle Knolle hat somit endlich ihren verdienten Platz in den Küchen dieser Welt erhalten!
Kartoffelschnaps – Treibstoff für Motoren
Nachdem der wahre Nutzen der Kartoffel erstmal erkannt wurde, finden sich in der damaligen Zeit noch andere, erstaunliche Verwendungsmöglichkeiten. So wird aus ihr in den 1860-er Jahren Alkohol (Spiritus) gewonnen, mit dem wiederum elektrisches Licht hergestellt werden kann.
Gleichwohl gilt Kartoffelschnaps als Treibstoff für den ersten Automobilmotor, welcher von Nicolaus August Otto erfunden wurde. Heute auch bekannt als der sogenannte „Otto-Motor“.
Kurz und bündig
Die Kartoffel kommt ursprünglich aus Südamerika.
Spanische Eroberer brachten die Kartoffel im 16. Jahrhundert nach Europa.
Friedrich der Große während dem 7-jährigen Krieg (1756 -1763).







